Die Ziegenzucht in Niedersachsen hat eine lange Tradition. Sicherte die „Kuh des kleinen Mannes“ in früheren Zeiten das Überleben vieler Familien, so sind die Produkte der Ziege heutzutage begehrte Delikatessen von hoher Qualität.
Die Ziegenzucht liegt in Niedersachsen seit jeher in der Hand der Zuchtverbände, die bei ihrer Tätigkeit durch die Landwirtschaftskammer (LWK) Hannover unterstützt und beraten werden.
Die Rassen
Weltweit gibt es ca. einhundertdreißig Ziegenrassen. Die weitaus größte Zahl der Rassen als auch der Ziegen werden in den so genannten Entwicklungsländern gehalten, nur knapp 3 % des Weltbestandes leben in Europa. In Niedersachsen werden zur Zeit 16 Rassen züchterisch bearbeitet.
Die Rassen lassen sich nach ihrer Nutzungsrichtung in Milch-, Fleisch- und Wollziegen einteilen, wobei auch Zwischenformen (Mehrnutzungstypen) vorhanden sind. Traditionell dominieren in Niedersachsen die Milchrassen. Daneben werden mehrere Fleischrassen (die größte Verbreitung hat die Burenziege) und zwei Wollrassen (Angora- und Kaschmirziege) betreut.
Die in das Herdbuch aufgenommenen Ziegen teilen sich - je nach den persönlichen Voraussetzungen des Ziegenhalters - in zwei Gruppen. Bei der einen Gruppe wird lediglich die Abstammung erfasst, die Tiere der anderen Gruppe unterliegen zusätzlich einer Leistungsprüfung (Milch- oder Fleischleistungsprüfung) und lassen damit genauere Rückschlüsse auf ihre Leistungsveranlagung zu.
Die Herdbuchtiere verteilen sich in Niedersachsen z. Zt. wie folgt auf die Rassen und erbringen folgende Leistungen:
Rasse
Rasseanteil
Daten aus der Leistungsprüfung
Weiße Deutsche Edelziege
28 %
818 kg Milch (in 240 Tagen)
3,30 % Fett
2,90 % EiweißBunte Deutsche Edelziege
44 %
770 kg Milch (in 240 Tagen)
3,32 % Fett
2,91 % EiweißToggenburger
3 %
830 kg Milch (in 240 Tagen)
3,46 % Fett
2,79 % EiweißGescheckte Holländer
1 %
708 kg Milch (in 240 Tagen)
4,66 % Fett
2,82 % EiweißThüringer Wald Ziege
0,5 %
605 kg Milch (in 240 Tagen)
3,22 % Fett
3,04 % EiweißAnglo Nubier
4 %
705 kg Milch (in 240 Tagen)
4,06 % Fett
3,43 % EiweißBurenziege
18 %
198 g tägl. Zunahme bis zum 42. Tag
Angoraziege
1 %
z. Z. keine Leistungsprüfung
Walliser Schwarzhalsziege
0,5 %
z.Z. keine Leistungsprüfung
Für jede dieser Rassen hat der Bundesverband Deutscher Ziegenzüchter (BDZ) Rassebeschreibungen erarbeitet, in denen die Merkmale, das Zuchtziel sowie die Leistungsanforderungen festgelegt wurden. Die Zuchtziele wurden von den Landesverbänden übernommen und bilden zusammen mit den Informationen über die jeweiligen Vorfahren der Ziege die Grundlagen der Zuchtbucheintragungen.